Marktüberblick Produktkonfiguration

Hanna Teuer

Die individuelle Gestaltung von Produkten nimmt sowohl im B2B-Bereich (beispielsweise Sondermaschinenbau), als auch im B2C-Bereich (bspw. individualisierte Sportschuhe) eine zunehmend bedeutende Rolle ein. Aber gerade in Zeiten der wachsenden Variantenvielfalt und des „Mass Customization“ steigen Kosten und Komplexität dabei sehr stark an. Es ist erforderlich, dass die Unternehmen Möglichkeiten finden, diesen Anforderungen nachzukommen. Eine Möglichkeit hierzu bieten Produktkonfiguratoren.

Das Center for Enterprise Research (CER) der Universität Potsdam führte einen Marktüberblick zum Thema „Produktkonfiguration“ durch. Hierzu wurden zahlreiche Anwender im deutschsprachigen Raum einbezogen. Insgesamt sind Antworten zu 25 Lösungen eingegangen. Die Ergebnisse werden nachfolgend in Form einer qualitativen als auch quantitativen Auswertung der Schwerpunktbereiche zusammengefasst. 

Produktkonfiguratoren ermöglichen den Anwendern Produkte nach zuvor definierten Regeln aus bestimmten Bauteilen zusammenzustellen und die Realisierbarkeit zu überprüfen. Sie können einen wichtigen Bestandteil bei der effektiven und effizienten Bewältigung des Variantenmanagement darstellen und bilden daher die Basis für die Erwirtschaftung von Zeit- und Kostenvorteilen. Dabei verfolgen die Systeme unterschiedliche Aufgaben: Sie können beispielsweise dem Endbenutzer helfen, eine Lösung für die eigene, Individuelle Problemstellung zu finden oder den Vertriebsmitarbeitern und -partnern bei der Angebotserstellung unterstützen. Weiter ermöglichen sie eine verbesserte Erfassung und Bearbeitung von Aufträgen. 


Bild 1: In den Produktkonfigurationslösungen verfügbare Aufgaben


Aufgaben

Im Rahmen dieses Marktüberblicks wurden die teilnehmenden Anbieter gebeten, anzugeben, bei welchen Aufgaben das System helfen kann. Dafür wurden die in Bild 1 aufgeführten Funktionen vorgegeben. Es wird ersichtlich, dass die Angebotskalkulation, die Stücklistenerstellung und die Produktfindung die Funktionen sind, für die die meisten der teilnehmenden Produktkonfigurationssytemen Unterstützung anbieten. Weitaus weniger Lösungen bieten Möglichkeiten in der Produktkonstruktion und -visualisierung an. Bei der Visualisierung werden 2D- und 3D-Ansichten ermöglicht, teilweise auch mit direkter Stücklistengenerierung. Wenn die Lösung selbst keine Visualisierung ermöglicht, kann diese teilweise über einen Export verschiedener CAD-Formate oder auch die Anbindung von Partnerlösungen realisiert werden. 


Schnittstellen

Für die Integration des Produktkonfigurators in die vorhandene IT-Landschaft sind Schnittstellen zu weiteren Systemen notwendig. Um einen Überblick über die Möglichkeiten zu generieren, wurden vorhandene Schnittstellen zu Konstruktionssoftware, E-Businesslösungen, CRM und Tabellenkalkulation erfragt. Das Ergebnis ist in Bild 2 zu sehen. Während alle Systeme die Möglichkeit der Anbindung von Tabellenkalkulation bieten, wird ein Datenabgleich mit E-Business-Lösungen mit 18 Nennungen am seltensten von den genannten Schnittstellen ermöglicht. 


Funktionen

Produktkonfiguratoren bieten dem Nutzer in verschiedenem Umfang Funktionen an, die der Nutzer im Rahmen seiner Aufgaben nutzen kann. Dazu gehören neben der Konfiguration von Produkten auch die Verwendung eines integriertes Produktkatalogs, eine Warenkorbfunktion sowie die automatische Generierung weiterführender Dokumente, wie Angebote oder Stücklisten. Dabei bieten zehn der teilnehmenden Systeme alle vier Funktionen, vier Systeme drei Funktionen, acht Systeme zwei Funktionen und drei Systeme eine Funktion an. Die Warenkorb-Funktionen wird dabei mit elf Nennungen am seltensten realisiert. 


Konsistenzprüfung

Eine Konsistenzprüfung bietet die Möglichkeit, dass das Produkt bereits während der Konfiguration hinsichtlich verschiedener, zuvor definierter Regeln auf Machbarkeit geprüft wird. Der Umfang sowie die Art und Weise kann dabei variieren und reicht von einem textuellen Gültigkeit-/Nichtgültigkeitshinweis über genaue Hinweise zur Regelverletzung bis hin zu Verbesserungsvorschlägen. Einige Unternehmen integrieren zusätzlich Kundenportale zur Diskussion über Produktverbesserungen oder leiten den Nutzer zur Verwendung von Normteilen. 


Auszug aus den Marktüberblick Produktkonfiguration


Trends

Die teilnehmenden Unternehmen wurden gebeten anzugeben, welche Trends sie in den kommenden Jahren in dem Bereich der Produktkonfiguration sehen. Vielfach genannt wurde dabei eine verbesserte Usability – sowohl auf Anwender-, als auch auf Autorenseite. Dazu gehören neben einer verbesserten Benutzerführung, erweiterten Möglichkeiten der Konsistenzprüfung oder einer konstruktionsbegleitenden 3D-Darstellung auch die Integration von Virtual und Augmented Reality. Ebenso werden die Ausführung auf mobilen Geräten und in Webservices und die Anbindung an weitere Systemarten vorangetrieben. Es ist davon auszugehen, dass der mögliche Umfang der Konfigurationen und Konstruktionen in den Systemen weiter steigen wird. Gleichzeitig wird den Anforderungen nach einer schnellen Umsetzung für kleinere Aufgaben Rechnung getragen. 


Bild 2: Schnittstellen zu anderen Lösungen

Schlüsselwörter:

Marktüberblick, Produktkonfiguration, Kundenindividualität, Softwarelösungen